Steinätzung in der Meisterschule

Die Ausbildung zum Maler- und Lackierermeister beinhaltet neben der fachtheoretischen Ausbildung auch viele Projektarbeiten, welche gut die Bandbreite dieses Berufes zeigen, aber auch die Geschichte des Malerhandwerks mit einbeziehen. Das letzte Mal haben wir in dieser Reihe über die Technik des Vergoldens mit Blattgold berichtet. Heute erläutern wir die Steinätzung. Denn früher wurde diese Technik nicht vom Steinmetz, sondern tatsächlich von den Malern und Lackierern eingesetzt.

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Im Rahmen einer Projektarbeit an der Meisterschule hat unser Malermeister Herr Meißner mittels Steinätzung eine Kalkplatte mit seinem persönlichen Logo versehen. Die dazu benötigten Materialien waren: Plotterfolie, Kalksteinplatte und 30%ige Salzsäure.

Zuerst stellt sich einmal die Frage, warum Steinätzung? Nun, es ist eine Technik, mit welcher eine gute plastische Wirkung erreicht werden kann. Bei dieser Technik hebt sich am Ende die Schrift oder Grafik dreidimensional vom Untergrund ab. Denn Zeichnung, Schrift oder Untergrund werden durch das Ätzen vertieft. Jedem bekannt dürfte dies auch aus dem Positiv- bzw. Negativdruck sein. Für die Vertiefungen wird die Säure eingesetzt. Erhabene Stellen werden daher mit Hilfe der Plotterfolie vor ihr geschützt. Der Kalk löst sich durch die Säure an den ungeschützten Stellen, so dass die abgedeckten Teile am Schluss erhaben stehen bleiben.
Der Untergrund, den unser Malermeister Herr Meißner verwendet hat, war eine Solnhofer Kalksteinplatte. Bestens bekannt in Franken! Und auch noch bestens geeignet. Denn sie ermöglicht sehr gleichmäßige und scharfe Ätzungen. Es können jedoch auch andere Kalksteinarten verwendet werden.

 

Warum Steinätzung?

Zuerst überlegte sich unser Malermeister ein passendes Motiv und plottete es aus. Bestens geeignet dafür: dicke, selbstklebende Plotterfolie. Nach dem Aufbringen des ausgeplotteten Motivs sind alle Stellen, die erhaben bleiben sollen, abgedeckt.

Ganz wichtig: Die dafür verwendete 30ige Säure darf nur in einem geeigneten, säurefesten Behälter, der z. B. aus Glas, Porzellan oder säurefestem Kunststoff besteht, verarbeitet und aufbewahrt werden! Am besten man versieht diesen Behälter mit einem Warnzeichen für Säure. Arbeiten mit Säure ist extrem gefährlich und sollte nicht von Laien ausgeführt werden. Bei allen Arbeiten mit Säure sind auf alle Fälle die geltenden Arbeitsschutzbestimmungen einzuhalten und entsprechende Schutzbekleidung und Atemschutz zu tragen.

Die Säure wird auf den nicht abgedeckten Stellen gleichmäßig verteilt, so lange bis sich keine Gasbläschen mehr auf den Ätzstellen bildeten. Nur dann ist die Ätze gesättigt und nicht mehr aktiv! Dieser Vorgang wird einige Male durchgeführt, zwischendurch aber die Platte mit Schwamm und Wasser abgewischt. Man ätzt für gewöhnlich 0,5 bis 1 Millimeter tief.

Info: Will man die vertieften Teile stärker wirken lassen, können diese mit Lack- oder Mineralfarbe und Blattgold heraus gefasst werden.

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